Glossar

Auftragsbekanntmachung im Vergaberecht 2026

Auftragsbekanntmachung: Pflichtveröffentlichung öffentlicher Aufträge im EU-Amtsblatt (TED) oder nationalen Medien. Inhalte, Fristen und Vorschriften.

Definition: Die Auftragsbekanntmachung ist die förmliche öffentliche Bekanntgabe eines bevorstehenden oder laufenden Vergabeverfahrens durch den öffentlichen Auftraggeber, mit der Unternehmen über den Beschaffungsbedarf und die Verfahrensbedingungen informiert und zur Teilnahme aufgefordert werden.

Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 · Rechtsstand: Richtlinie 2014/24/EU Art. 49–52, Durchführungsverordnung (EU) 2019/1780, BVergG 2018 §§ 58–62, VgV §§ 37–41


Was ist eine Auftragsbekanntmachung?

Die Auftragsbekanntmachung ist das zentrale Transparenzinstrument des Vergaberechts: Sie eröffnet den Wettbewerb um einen öffentlichen Auftrag und ermöglicht es Unternehmen aus dem gesamten Europäischen Wirtschaftsraum, sich um die Teilnahme am Vergabeverfahren zu bewerben. Ohne ordnungsgemäße Bekanntmachung liegt regelmäßig eine unzulässige Direktvergabe vor, die vergaberechtlich anfechtbar ist.

Im EU-weit verpflichtenden Oberschwellenbereich werden Auftragsbekanntmachungen im Supplement des Amtsblatts der Europäischen Union (Tenders Electronic Daily, kurz: TED) veröffentlicht. Im Unterschwellenbereich erfolgt die Bekanntmachung über nationale Kanäle wie das Österreichische Lieferanzeiger-System oder das Deutsche Bekanntmachungsportal (DTVP, Staatsanzeiger).

Pflichtinhalt einer Auftragsbekanntmachung

Die Auftragsbekanntmachung muss alle Angaben enthalten, die Unternehmen für eine informierte Entscheidung über ihre Verfahrensbeteiligung benötigen.

Pflichtangaben gemäß Durchführungsverordnung (EU) 2019/1780 (eForms):

  • Identität und Kontaktdaten des Auftraggebers
  • Art und Umfang des Auftrags (CPV-Code, Leistungsbeschreibung)
  • Geschätzter Auftragswert
  • Verfahrensart (offen, nicht offen, Verhandlungsverfahren etc.)
  • Eignungsanforderungen und Nachweise
  • Zuschlagskriterien und ihre Gewichtung
  • Fristen (Angebotsfrist, Bindefrist)
  • Anschrift, über die Vergabeunterlagen bezogen werden können
  • Angaben zur elektronischen Einreichung

eForms – Neues Standardformular seit 2023

Seit dem 25. Oktober 2023 sind EU-weit die neuen eForms-Standardformulare für Bekanntmachungen verpflichtend. Die eForms-Verordnung (EU) 2019/1780 ersetzt die bisherigen Standardformulare der Verordnung (EG) Nr. 842/2011 und enthält über 180 strukturierte Datenfelder, die eine maschinelle Auswertung und bessere Vergleichbarkeit von Auftragsbekanntmachungen ermöglichen.

Bekanntmachungskanäle

Oberschwellenbereich (EU-weit)

Im Oberschwellenbereich ist die Veröffentlichung auf TED (Tenders Electronic Daily) zwingend. Die elektronische Übermittlung erfolgt über das eSender-System des Amts für Veröffentlichungen der EU. Nationale Veröffentlichungen dürfen erst nach oder zeitgleich mit der TED-Veröffentlichung erfolgen und dürfen keine zusätzlichen, nicht in TED enthaltenen Informationen enthalten.

Unterschwellenbereich (national)

Im Unterschwellenbereich richten sich die Bekanntmachungspflichten nach nationalem Recht. In Österreich erfolgt die Bekanntmachung über das Ausschreibungsportal (z.B. Lieferanzeiger, ANKÖ). In Deutschland werden Unterschwellenaufträge häufig über Landesausschreibungsblätter, Vergabeplattformen und das Deutsche Bekanntmachungsportal veröffentlicht.

Vorinformation und Auftragsbekanntmachung

Die Auftragsbekanntmachung ist von der Vorinformation (auch: Vorabbekanntmachung) zu unterscheiden. Die Vorinformation informiert den Markt frühzeitig über geplante Aufträge, ohne bereits ein konkretes Verfahren einzuleiten. Sie kann unter bestimmten Voraussetzungen die Mindestfristen für die Angebots- oder Teilnahmefrist verkürzen.

FAQ

Wann muss eine Auftragsbekanntmachung veröffentlicht werden? Im Oberschwellenbereich vor Einleitung des Vergabeverfahrens, also vor Beginn der Angebots- oder Teilnahmefrist. Im Unterschwellenbereich gelten die jeweiligen nationalen Fristen.

Was passiert, wenn eine Bekanntmachung fehlerhaft ist? Fehler in der Bekanntmachung müssen durch eine Berichtigungsbekanntmachung (Corrigendum) korrigiert werden. Wesentliche Fehler, die Bieter benachteiligen, können zur Anfechtung des gesamten Verfahrens führen.

Wie lange ist eine Auftragsbekanntmachung auf TED verfügbar? Bekanntmachungen auf TED bleiben dauerhaft im Archiv abrufbar und werden für mindestens fünf Jahre gespeichert.

Welche Sprache muss für eine TED-Bekanntmachung verwendet werden? Auftragsbekanntmachungen auf TED können in jeder EU-Amtssprache eingereicht werden. Die Pflichtfelder müssen jedoch mindestens in der Sprache des Auftraggebers ausgefüllt sein; eine Zusammenfassung in einer weiteren EU-Sprache ist empfohlen.


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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