Glossar

Doppelausschreibung im Vergaberecht 2026

Doppelausschreibung im Vergaberecht: Definition, vergaberechtliche Problematik, Abgrenzung und Rechtsfolgen bei der wiederholten Ausschreibung derselben Leistung.

Definition: Eine Doppelausschreibung liegt vor, wenn dieselbe oder eine im Wesentlichen gleiche Leistung von demselben oder unterschiedlichen Auftraggebern in zwei oder mehr parallelen oder aufeinanderfolgenden Vergabeverfahren ausgeschrieben wird, ohne dass ein sachlicher Grund für die Mehrfachausschreibung besteht.

Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 · Rechtsstand: BVergG 2018, GWB, VgV, Grundsätze des Vergaberechts


Was ist eine Doppelausschreibung?

Der Begriff Doppelausschreibung bezeichnet verschiedene Konstellationen, in denen eine Leistung mehrfach ausgeschrieben wird, was zu Ineffizienzen, Wettbewerbsverzerrungen oder rechtlichen Problemen führen kann. Die häufigsten Fälle sind:

  1. Parallele Ausschreibung: Zwei Auftraggeber schreiben dieselbe Leistung zeitgleich aus (z.B. bei Kooperationen ohne Koordination)
  2. Wiederholungsausschreibung: Nach Aufhebung eines Vergabeverfahrens wird dasselbe Vorhaben erneut ausgeschrieben
  3. Überlappende Ausschreibung: Zwei Vergabeverfahren desselben Auftraggebers decken denselben Leistungsgegenstand ab
  4. Vorsorgliche Doppelausschreibung: Der Auftraggeber schreibt denselben Auftrag in zwei Verfahren aus, um ein „Backup" zu haben

Vergaberechtliche Problematik

Doppelausschreibungen ohne sachlichen Grund sind vergaberechtlich problematisch. Sie können:

  • Den Wettbewerb verzerren (Bieter wissen nicht, welches Verfahren Bestand hat)
  • Den Gleichbehandlungsgrundsatz verletzen
  • Zu widersprüchlichen Vertragsverpflichtungen des Auftraggebers führen
  • Ressourcen bei Bietern unnötig binden
  • Haushaltsrechtliche Probleme verursachen

Zulässige Wiederholungsausschreibung

Die Wiederholung einer Ausschreibung nach rechtmäßiger Aufhebung des Erstverfahrens ist hingegen zulässig und im Vergaberecht vorgesehen. Wird ein Vergabeverfahren rechtmäßig aufgehoben (z.B. weil kein wirtschaftliches Angebot eingegangen ist oder sich die Bedarfslage geändert hat), kann der Auftraggeber ein neues Verfahren einleiten. Er ist dabei nicht verpflichtet, die Leistungsbeschreibung unverändert zu übernehmen.

Abgrenzung: Losaufteilung

Eine Losaufteilung ist keine Doppelausschreibung. Wenn ein Auftraggeber eine größere Gesamtleistung in mehrere Lose aufteilt und diese getrennt ausschreibt, ist das eine zulässige und häufig vergaberechtlich gebotene Praxis.

FAQ

Ist eine vorsorgliche Doppelausschreibung zulässig? In der Regel nicht. Der Auftraggeber darf nicht gleichzeitig zwei Verfahren für denselben Auftrag führen, da dies die Bieter über das tatsächliche Vergabeziel im Unklaren lässt und Ressourcen verschwendet.

Was passiert, wenn versehentlich zwei überlappende Ausschreibungen durchgeführt werden? Der Auftraggeber muss eines der Verfahren aufheben. Bereits erteilte Zuschläge können komplizierte vertragsrechtliche Folgen haben.

Kann ein Bieter eine Doppelausschreibung anfechten? Ja, wenn ihm durch die Doppelausschreibung ein Schaden entsteht oder der Grundsatz der Gleichbehandlung verletzt wird.


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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