Glossar

Erfüllungsort im Vergaberecht 2026

Erfüllungsort im Vergaberecht: Definition, Bedeutung für Zuständigkeit, NUTS-Codes, Bieterauswahl und Vertragsrecht bei öffentlichen Aufträgen in Deutschland und Österreich.

Definition: Der Erfüllungsort im vergaberechtlichen Kontext bezeichnet den Ort, an dem die ausgeschriebene Leistung zu erbringen ist; er ist für die Bekanntmachung, die Nutzung von NUTS-Codes, die Zuständigkeit von Vergabekontrollbehörden und die Kalkulation der Bieter von Bedeutung.

Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 · Rechtsstand: NUTS-Verordnung (EG) 1059/2003, eForms-Verordnung, BVergG 2018, GWB/VgV, §§ 269 ff. BGB


Was ist der Erfüllungsort im Vergaberecht?

Der Erfüllungsort gibt an, wo eine Leistung zu erbringen ist, und hat praktische Bedeutung für mehrere Aspekte des Vergabeverfahrens. Im allgemeinen Vertragsrecht bestimmt der Erfüllungsort den Leistungsort und hat Relevanz für Frachtkosten, Risikoübergang und Gerichtsstand. Im Vergaberecht ist der Erfüllungsort darüber hinaus ein Pflichtinhalt von Auftragsbekanntmachungen und beeinflusst die Kalkulation der Bieter.

Angabe in der Bekanntmachung

In der Auftragsbekanntmachung ist der Erfüllungsort mittels NUTS-Code (Nomenclature des Unités Territoriales Statistiques) anzugeben. NUTS-Codes sind ein EU-weit standardisiertes System zur Klassifikation von Regionen, das eine maschinenlesbare Erfassung und statistische Auswertung von Vergabedaten ermöglicht. Die Angabe des korrekten NUTS-Codes ist Pflichtinhalt des eForms-Bekanntmachungsformulars.

Beispiele für NUTS-Codes:

  • DEA (Nordrhein-Westfalen, Deutschland)
  • AT1 (Ostösterreich, Österreich)
  • AT130 (Wien, Österreich)

Bedeutung für die Bieter

Der Erfüllungsort ist für die Kalkulation der Bieter wesentlich, weil er Transportkosten, Anfahrtszeiten, lokale Lohnkosten und Unterkunftskosten bei auswärtigem Personal beeinflusst. Bieter aus entfernten Regionen müssen diese Zusatzkosten in ihrem Angebot berücksichtigen.

Keine Diskriminierung aufgrund des Erfüllungsorts

Der Auftraggeber darf keine Anforderungen stellen, die Bieter aus anderen Regionen oder Mitgliedstaaten faktisch diskriminieren. Eine Anforderung, die nur lokale Unternehmen erfüllen können (z.B. maximale Entfernung vom Erfüllungsort), ist mit dem EU-Vergaberecht unvereinbar, sofern sie nicht sachlich gerechtfertigt ist.

Mehrere Erfüllungsorte

Bei Aufträgen mit mehreren Leistungsorten sind alle maßgeblichen NUTS-Codes anzugeben. Bei bundesweiten oder österreichweiten Lieferaufträgen kann die Angabe auf Bundesebene (z.B. DEA für Deutschland oder AT für Österreich) ausreichen.

FAQ

Kann der Auftraggeber den Erfüllungsort nach Vertragsschluss ändern? Nur mit Zustimmung des Auftragnehmers. Eine einseitige Änderung des Leistungsorts durch den Auftraggeber kann einen Nachtrag begründen.

Darf der Auftraggeber verlangen, dass der Auftragnehmer seinen Sitz am Erfüllungsort hat? In der Regel nein. Solche Anforderungen sind nur dann zulässig, wenn sie durch den Leistungsgegenstand objektiv gerechtfertigt sind (z.B. Notfallbereitschaft mit kurzer Reaktionszeit).

Was bedeutet NUTS-Code für KMU ohne EU-Erfahrung? NUTS-Codes sind für KMU vor allem bei der Bekanntmachungsrecherche relevant: Über NUTS-Codes können Auftraggeber gezielt nach Ausschreibungen in ihrer Region suchen.


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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