Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) 2026
Die HOAI regelt Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen in Deutschland. Nach dem EuGH-Urteil 2019 sind die Sätze nur noch Orientierungswerte.
Definition: Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ist eine deutsche Rechtsverordnung, die Leistungsbilder, Leistungsphasen und Honorartafeln für die Vergütung von Architekten- und Ingenieurleistungen festlegt und als Orientierungsrahmen bei der Ausschreibung und Wertung von Planungsleistungen dient.
Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 · Rechtsstand: HOAI 2021 (BGBl. I S. 2636); EuGH Rs. C-377/17 (Urteil vom 4. Juli 2019)
Was ist die HOAI?
Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ist das zentrale Vergütungsregelwerk für Planungsleistungen in Deutschland und prägt die Ausschreibung und Vergabe von Architekten- und Ingenieurleistungen durch öffentliche Auftraggeber. Sie wurde zuletzt durch die HOAI-Novelle 2021 angepasst, die als Reaktion auf das EuGH-Urteil vom 4. Juli 2019 (Rs. C-377/17) die verbindlichen Mindest- und Höchstsätze abschaffte. Die HOAI gilt nur in Deutschland; Österreich hat keine vergleichbare gesetzliche Honorarordnung.
Hintergrund: EuGH-Urteil 2019
Der EuGH entschied, dass verbindliche Mindesthonorare nach der HOAI gegen Art. 15 der EU-Dienstleistungsrichtlinie 2006/123/EG verstoßen, soweit sie für Anbieter aus anderen EU-Mitgliedstaaten gelten. Deutschland hatte die HOAI-Mindesthonorare als Qualitätssicherungsinstrument verteidigt, der EuGH ließ dieses Argument jedoch nicht gelten. Als Folge sind die Honorartafeln seit der HOAI 2021 nur noch Orientierungswerte; vertraglich können abweichende Honorare vereinbart werden.
Leistungsbilder der HOAI
Die HOAI gliedert Planungsleistungen in Leistungsbilder, denen jeweils Leistungsphasen (LP 1–9) und Honorartafeln zugeordnet sind:
- Teil 2: Flächenplanung (Bauleitplanung, Landschaftsplanung, Grünordnungsplanung)
- Teil 3: Objektplanung (Gebäude und Innenräume, Freianlagen, Ingenieurbauwerke, Verkehrsanlagen)
- Teil 4: Fachplanung (Tragwerksplanung, Technische Ausrüstung)
Leistungsphasen (LP 1–9)
Die neun Leistungsphasen beschreiben den Planungsprozess vom Beginn bis zum Abschluss:
| LP | Bezeichnung | Typischer Honoraranteil |
|---|---|---|
| 1 | Grundlagenermittlung | 2 % |
| 2 | Vorplanung | 7 % |
| 3 | Entwurfsplanung | 15 % |
| 4 | Genehmigungsplanung | 3 % |
| 5 | Ausführungsplanung | 25 % |
| 6 | Vorbereitung der Vergabe | 10 % |
| 7 | Mitwirkung bei der Vergabe | 4 % |
| 8 | Objektüberwachung | 32 % |
| 9 | Objektbetreuung | 2 % |
HOAI und Vergaberecht
Bei der Ausschreibung von Planungsleistungen dienen die HOAI-Honorartafeln als Orientierung für die Kostenschätzung (Angemessenheitsprüfung) und die Prüfung von Angeboten auf Auskömmlichkeit. Öffentliche Auftraggeber in Deutschland verwenden die HOAI-Honorartafeln häufig als Grundlage für die Ermittlung des geschätzten Auftragswertes, der für die Schwellenwertberechnung maßgeblich ist. Die Vergabe von Planungsleistungen richtet sich nach §§ 73–80 VgV (für den Oberschwellenbereich) sowie nach dem Planungswettbewerb (§§ 78–80 VgV).
Österreich: Keine vergleichbare Regelung
Österreich hat keine gesetzliche Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Die Ziviltechniker-Kammern geben unverbindliche Honorarempfehlungen heraus (Leistungs- und Honorarordnung, LHO). Die Vergabe von Ziviltechnikerleistungen richtet sich nach dem BVergG 2018, §§ 141 ff. (freiberufliche Leistungen).
FAQ
Sind HOAI-Honorare heute noch verbindlich? Nein. Seit der HOAI-Novelle 2021 sind die Honorartafeln nur Orientierungswerte. Auftraggeber und Auftragnehmer können davon abweichen.
Wie wird der Auftragswert für Planungsleistungen geschätzt? Auftraggeber orientieren sich häufig an den HOAI-Honorartafeln und den anrechenbaren Kosten des Bauvorhabens. Der geschätzte Auftragswert bestimmt, ob das Vergabeverfahren dem Oberschwellenrecht (VgV) oder dem Unterschwellenrecht unterliegt.
Was ist ein Planungswettbewerb nach VgV? Ein Planungswettbewerb (§§ 78–80 VgV) ist ein förmliches Verfahren zur Auswahl von Planungskonzepten, bei dem ein Preisgericht unter Teilnahme von Fachleuten die eingereichten Entwürfe bewertet. Er ist besonders bei Gebäude- und Stadtplanungsvorhaben üblich.
Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.
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