Neues Steuerungsmodell (NSM) im Vergaberecht 2026
Neues Steuerungsmodell (NSM): Verwaltungsreforminstrument mit Wirkung auf die öffentliche Beschaffung. Outputorientierung, Budgetierung und Vergabe.
Definition: Das Neue Steuerungsmodell (NSM) ist ein in den 1990er Jahren eingeführtes Verwaltungsreformkonzept, das die öffentliche Verwaltung durch betriebswirtschaftliche Elemente wie Outputorientierung, dezentrale Ressourcenverantwortung und Budgetierung modernisiert und dabei auch die Beschaffungsorganisation und das Vergabewesen beeinflusst.
Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 · Rechtsstand: BHO, GWB, Haushaltsgrundsätzegesetz (HGrG)
Was ist das Neue Steuerungsmodell (NSM)?
Das Neue Steuerungsmodell (NSM) ist ein Konzept der Verwaltungsmodernisierung, das in Deutschland in den 1990er Jahren von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) entwickelt und bundesweit in zahlreichen Kommunen eingeführt wurde. Es orientiert sich an betriebswirtschaftlichen Steuerungsprinzipien und versucht, die traditionelle inputorientierte Kameralistik durch eine outputorientierte Steuerung zu ersetzen, die Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Qualität in der öffentlichen Verwaltung fördert.
Das NSM hat seine ursprüngliche Reformdynamik in den 2000er Jahren teilweise eingebüßt, wirkt aber in vielen Verwaltungen durch eingeführte Elemente wie Produkthaushalte, Kosten-Leistungs-Rechnung und Budgetierung fort.
Kernelemente des NSM und ihr Bezug zur Beschaffung
Das NSM enthält mehrere Steuerungselemente, die unmittelbare Auswirkungen auf die Organisation und Durchführung öffentlicher Beschaffungsvorgänge haben.
Dezentrale Ressourcenverantwortung
Im NSM werden Budgets und Ressourcenverantwortung auf die operative Ebene (Fachbereiche, Ämter) dezentralisiert. Dies betrifft auch Beschaffungsbudgets: Statt einer zentralen Beschaffungsstelle sind häufig die Fachbereiche selbst für ihre Beschaffungen zuständig. Dies kann mit vergaberechtlichen Anforderungen kollidieren, da dezentrale Beschaffungen die Gefahr der unzulässigen Aufspaltung von Aufträgen (Vermeidung von Schwellenwerten) erhöhen.
Outputorientierung und Wirtschaftlichkeitsprinzip
Die NSM-Philosophie der Outputorientierung ist mit dem vergaberechtlichen Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit (§ 7 BHO) kompatibel: Beide verlangen, dass mit den eingesetzten Mitteln das bestmögliche Ergebnis erzielt wird. Leistungsbeschreibungen, die Outputs statt Inputs definieren (funktionale Leistungsbeschreibung), entsprechen dem NSM-Ansatz.
Kontraktmanagement und Budgetierung
Das NSM fördert die Steuerung über Zielvereinbarungen und Kontrakte zwischen Politik und Verwaltung. Im Beschaffungsbereich führt dies zur Einführung von Rahmenvereinbarungen und Abrufverträgen, die eine flexiblere Beschaffung ermöglichen.
Benchmarking und Leistungsvergleiche
Das NSM nutzt Benchmarking-Instrumente zum Vergleich der Leistung verschiedener Verwaltungseinheiten. Im Beschaffungsbereich werden Verfahrenskosten, Durchlaufzeiten und Einkaufspreise verglichen, um Optimierungspotenziale zu identifizieren.
Wirkung auf das Vergaberecht
Das NSM hat die Vergaberechtspraxis in Deutschland strukturell beeinflusst, insbesondere durch die Stärkung zentraler Beschaffungsstellen als Reaktion auf die Schwächen dezentraler Beschaffungsstrukturen.
Erfahrungen mit dem NSM haben gezeigt, dass rein dezentrale Beschaffungsstrukturen zu fragmentierten Vergaben, erhöhtem Verwaltungsaufwand und vergaberechtlichen Risiken führen können. Als Reaktion haben viele Kommunen zentrale Beschaffungsstellen eingerichtet oder Einkaufskooperationen gebildet, die Skaleneffekte nutzen und vergaberechtliche Expertise bündeln.
FAQ
Gilt das NSM noch heute? Das NSM als einheitliches Reformkonzept ist in den Hintergrund getreten, seine Elemente (Produkthaushalte, Budgetierung, KLR) sind aber in vielen Verwaltungen weiterhin wirksam.
Wie beeinflusst das NSM die Vergabepraxis? Dezentrale Ressourcenverantwortung nach NSM kann zur Fragmentierung von Beschaffungsvorgängen führen. Vergaberechtlich kritisch ist dabei die unzulässige Aufspaltung von Aufträgen zur Unterschreitung von Wertgrenzen (§ 3 VgV).
Was ist der Unterschied zwischen NSM und New Public Management? Das NSM ist die deutsche Variante des internationalen Konzepts des New Public Management (NPM). Beide beruhen auf betriebswirtschaftlichen Steuerungsprinzipien für die öffentliche Verwaltung.
Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.
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