Glossar

Vergabetransformationspaket 2026 – Reform des deutschen Vergaberechts

Das Vergabetransformationspaket modernisiert das deutsche Vergaberecht: Vereinfachung, Digitalisierung und strategische Beschaffungsziele im Überblick.

Definition: Das Vergabetransformationspaket ist ein Gesetzgebungsvorhaben der Bundesregierung Deutschland zur grundlegenden Modernisierung des öffentlichen Vergaberechts, das auf Vereinfachung der Verfahren, stärkere Digitalisierung und die Integration strategischer Ziele (Nachhaltigkeit, Innovation) abzielt.

Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 · Rechtsstand: GWB, VgV, Entwurfsstand Vergabetransformationspaket


Was ist das Vergabetransformationspaket?

Das Vergabetransformationspaket ist die ambitionierteste Reform des deutschen Vergaberechts seit der Umsetzung der EU-Vergaberichtlinien 2014. Die Bundesregierung hatte das Vorhaben in ihrem Koalitionsvertrag verankert und damit auf jahrelange Kritik aus Wirtschaft und Verwaltung reagiert: Das deutsche Vergaberecht galt als zu komplex, zu bürokratisch und zu wenig auf strategische Ziele ausgerichtet.

Im Kern verfolgt das Paket drei Hauptziele: Vereinfachung der Verfahrensregeln, Digitalisierung des Beschaffungswesens und die Stärkung der strategischen Beschaffung für Nachhaltigkeit, Innovation und soziale Aspekte.

Wesentliche Reformvorhaben

Verfahrensvereinfachung

Ein zentrales Anliegen ist die Reduktion bürokratischer Anforderungen, insbesondere im Unterschwellenbereich. Vorgesehen sind höhere Wertgrenzen für vereinfachte Verfahren, die Abschaffung überholter Formvorschriften und eine Verschlankung der Vergabeunterlagen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen durch geringere Nachweislast leichter Zugang zu öffentlichen Aufträgen erhalten.

Digitalisierung

Das Vergabetransformationspaket treibt die vollständige elektronische Abwicklung von Vergabeverfahren voran. Ziel ist ein einheitliches elektronisches Vergabeportal, das Bekanntmachung, Angebotsabgabe, Kommunikation und Dokumentation integriert. Die Einführung von KI-gestützten Werkzeugen zur Unterstützung von Vergabestellen wird als mittelfristiges Ziel formuliert.

Strategische Beschaffung

Öffentliche Auftraggeber sollen Vergabeverfahren künftig noch stärker als Instrument für gesellschaftliche und ökologische Ziele nutzen. Konkret sollen Mindestanforderungen für ökologische Nachhaltigkeit (CO₂-Reduktion, Kreislaufwirtschaft), soziale Standards (Tariftreue, Mindestlohn, Gleichstellung) und Innovationsförderung in das Vergaberecht integriert werden.

Stand des Verfahrens

Das Vergabetransformationspaket war zum Zeitpunkt der Aktualisierung (Jänner 2026) noch nicht vollständig in Kraft getreten. Einzelne Regelungen wurden bereits im Rahmen anderer Gesetzgebungsvorhaben umgesetzt (z.B. Tariftreuegesetz, Nachhaltigkeitsanforderungen). Die vollständige Reform des GWB und der nachgeordneten Verordnungen (VgV, VOB, UVgO) steht noch aus.

Bedeutung für Auftraggeber und Bieter

Vergabestellen müssen ihre Vergabeprozesse und IT-Systeme auf die neuen Anforderungen vorbereiten. Für Unternehmen ergeben sich sowohl Chancen (einfacherer Zugang) als auch neue Anforderungen (Nachhaltigkeitsnachweise, Tariftreuerklärungen).

FAQ

Gilt das Vergabetransformationspaket auch für Österreich? Nein. Es handelt sich um ein rein deutsches Reformvorhaben. In Österreich gibt es separate Bestrebungen zur BVergG-Reform.

Wann tritt das Vergabetransformationspaket vollständig in Kraft? Ein abschließender Zeitplan stand zum Jänner 2026 noch nicht fest. Auftraggeber sollten die Entwicklung laufend verfolgen.

Müssen Bieter jetzt schon Nachhaltigkeitsnachweise erbringen? Teilweise ja – je nach Auftraggeber und Verfahren werden bereits heute Nachhaltigkeitskriterien als Zuschlagskriterien angewendet.


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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