Glossar

Verhandlungsvergabe 2026 – Vergabeverfahren mit Verhandlung

Die Verhandlungsvergabe ist ein Vergabeverfahren, bei dem der Auftraggeber mit ausgewählten Unternehmen über Angebotsinhalte und Bedingungen verhandelt.

Definition: Die Verhandlungsvergabe (auch: Verhandlungsverfahren) ist eine Verfahrensart im öffentlichen Vergaberecht, bei der der Auftraggeber mit einem oder mehreren ausgewählten Unternehmen über den Auftragsinhalt, die Konditionen und den Preis verhandelt, um das wirtschaftlich günstigste Angebot zu ermitteln.

Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 · Rechtsstand: BVergG 2018 (§§ 34 ff.), GWB/VgV (§§ 17, 119), Richtlinie 2014/24/EU (Art. 26, 29, 30)


Was ist die Verhandlungsvergabe?

Die Verhandlungsvergabe ist jenes Vergabeverfahren, das die größte Flexibilität für Auftraggeber und Bieter bietet, aber an strenge gesetzliche Voraussetzungen geknüpft ist. Anders als beim offenen Verfahren oder nicht offenen Verfahren dürfen Auftraggeber und Bieter hier aktiv über Leistungsinhalte, technische Spezifikationen, Preise und Konditionen verhandeln. Das Ergebnis ist ein ausgehandeltes Angebot, das den spezifischen Beschaffungsbedürfnissen optimal entspricht.

In der österreichischen Terminologie wird zwischen dem Verhandlungsverfahren (Oberschwellenbereich, § 34 BVergG 2018) und der Verhandlungsvergabe (Unterschwellenbereich) unterschieden. In Deutschland spricht das GWB einheitlich vom Verhandlungsverfahren (§ 119 Abs. 5 GWB).

Voraussetzungen für die Verhandlungsvergabe

Das Gesetz erlaubt die Verhandlungsvergabe nur in klar definierten Ausnahmesituationen – sie ist nicht frei wählbar.

Im Oberschwellenbereich (EU-Recht)

Nach Art. 26 Abs. 4 der Richtlinie 2014/24/EU ist das Verhandlungsverfahren mit Bekanntmachung zulässig, wenn:

  1. Komplexe oder innovative Leistungen vorliegen, die nicht hinreichend mit einem offenen Verfahren beschafft werden können
  2. Gestaltungsleistungen (z.B. Architektur) beschafft werden
  3. Vorgegangene offene oder nicht offene Verfahren ohne oder nur mit unannehmbaren Angeboten geblieben sind
  4. Der Auftrag im Verteidigungs- oder Sicherheitsbereich liegt (VSVgV)
  5. Besondere Dringlichkeit vorliegt (Verhandlungsverfahren ohne Bekanntmachung)

Im Unterschwellenbereich

Im Unterschwellenbereich gelten großzügigere Regeln. In Österreich ist die Verhandlungsvergabe im USB bis zu bestimmten Wertgrenzen ohne besondere Begründung zulässig.

Ablauf der Verhandlungsvergabe

Eine Verhandlungsvergabe gliedert sich typischerweise in mehrere Phasen:

  1. Bekanntmachung und Teilnahmewettbewerb – Öffentliche Aufforderung zur Bewerbung (beim Verfahren mit Bekanntmachung); Eignungsprüfung der Bewerber
  2. Aufforderung zur Erstangebotsabgabe – Ausgewählte Bewerber reichen ein erstes Angebot ein
  3. Verhandlungsrunden – Der Auftraggeber führt mit den Bietern Gespräche über Leistung, Qualität, Preis und Bedingungen
  4. Letztangebote – Nach Abschluss der Verhandlungen fordert der Auftraggeber verbindliche Letztangebote an
  5. Wertung und Zuschlag – Das wirtschaftlich günstigste Letztangebot erhält den Zuschlag

Grenzen der Verhandlung

Auch in der Verhandlungsvergabe gibt es klare rechtliche Grenzen: Mindestanforderungen (z.B. technische Standards, zwingende Rechtsvorgaben) dürfen nicht unterschritten werden. Der Grundsatz der Gleichbehandlung gilt – alle Bieter müssen gleichartige Informationen erhalten. Vertrauliche Informationen eines Bieters dürfen nicht an Konkurrenten weitergegeben werden.

Abgrenzung zum wettbewerblichen Dialog

Der wettbewerbliche Dialog (Art. 30 Richtlinie 2014/24/EU) ist für besonders komplexe Vorhaben vorgesehen, bei denen der Auftraggeber den Lösungsansatz selbst noch nicht kennt. Bei der Verhandlungsvergabe kennt der Auftraggeber zumindest die wesentlichen Spezifikationen bereits.

FAQ

Muss der Auftraggeber mit allen Bietern verhandeln? Nein. Der Auftraggeber kann die Anzahl der Verhandlungspartner im Verlauf des Verfahrens reduzieren, sofern er dies vorab bekannt gemacht hat.

Darf der Auftraggeber nach den Verhandlungen noch Mindeststanforderungen ändern? Nein. Einmal festgelegte Mindestanforderungen und Zuschlagskriterien dürfen nicht mehr geändert werden.

Wie lange dauert eine Verhandlungsvergabe? Je nach Komplexität einige Wochen bis mehrere Monate. Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Maximaldauer.


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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