Glossar

Zeitstempel im Vergaberecht

Der Zeitstempel ist die elektronische Bestätigung von Datum und Uhrzeit und dient im Vergaberecht als Nachweis fristgerechter Angebotseinreichung.

Definition: Ein Zeitstempel im vergaberechtlichen Sinne ist eine elektronisch erzeugte, manipulationssichere Bestätigung von Datum und Uhrzeit einer digitalen Datei oder Handlung, die insbesondere als Nachweis für die fristgerechte Einreichung eines Angebots dient; der qualifizierte elektronische Zeitstempel nach Art. 41 eIDAS-Verordnung (EU) Nr. 910/2014 genießt dabei in allen EU-Mitgliedstaaten Rechtswirkung.

Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 · Rechtsstand: eIDAS-Verordnung (EU) Nr. 910/2014, BVergG 2018, VgV, Signaturgesetz


Was ist ein Zeitstempel?

Ein Zeitstempel ist eine kryptografisch gesicherte, elektronische Bescheinigung, die einem Dokument oder einer Transaktion einen definierten Zeitpunkt – Datum und Uhrzeit – unveränderlich zuordnet. Im elektronischen Vergabeverfahren kommt dem Zeitstempel zentrale Bedeutung zu: Er dokumentiert, zu welchem exakten Zeitpunkt ein Angebot auf der Vergabeplattform eingegangen ist, und ermöglicht so die zweifelsfrei nachvollziehbare Prüfung, ob die Angebotsfrist eingehalten wurde.

Zu unterscheiden sind einfache Zeitstempel, die lediglich das Datum und die Uhrzeit aufzeichnen, und qualifizierte elektronische Zeitstempel nach Art. 41 der eIDAS-Verordnung (EU) Nr. 910/2014. Letztere werden von einem qualifizierten Vertrauensdiensteanbieter ausgestellt, sind fälschungssicher und entfalten in allen EU-Mitgliedstaaten rechtliche Wirkung. Für sicherheitskritische Handlungen im Vergabeverfahren – insbesondere die versiegelte Aufbewahrung von Angeboten bis zur Angebotsöffnung – setzen zertifizierte Vergabeplattformen qualifizierte Zeitstempel ein.

Bedeutung im Vergabeverfahren

Der Zeitstempel ist das technische Instrument, das die Einhaltung vergaberechtlicher Fristen lückenlos dokumentiert und die Integrität des elektronischen Vergabeverfahrens sichert. In Österreich schreibt das BVergG 2018 vor, dass elektronisch eingereichte Angebote versiegelt zu speichern und erst zum Zeitpunkt der Angebotsöffnung zugänglich zu machen sind; der Zeitstempel dokumentiert sowohl den Eingang als auch den Öffnungszeitpunkt. In Deutschland stellen die nach VgV zertifizierten Vergabeplattformen qualifizierte Zeitstempel zur Verfügung, die im Streitfall als Beweismittel dienen.

Für Bieter ist der Zeitstempel vor allem bei der Angebotseinreichung kurz vor Fristablauf relevant: Ein Angebot gilt als fristgerecht eingereicht, wenn es vor dem durch Zeitstempel dokumentierten Ablauf der Angebotsfrist auf dem Server der Vergabeplattform eingegangen ist – unabhängig von etwaigen Übertragungsverzögerungen auf Seiten des Bieters. Eine verspätete Einreichung führt zum zwingenden Ausschluss vom Vergabeverfahren.

Verwandte Begriffe


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

Jetzt starten

Demo buchen.

Sehen Sie, was BOND für Ihr Unternehmen findet — Ausschreibungen, Lieferanten und Partner, die Sie allein nie entdecken würden. Monatlich kündbar, jederzeit.