Glossar

Durchführungsverordnung im Vergaberecht 2026

Durchführungsverordnung im EU-Vergaberecht: Bedeutung, wichtige Durchführungsverordnungen der Kommission und ihr Verhältnis zu Vergaberichtlinien und nationalem Recht.

Definition: Eine Durchführungsverordnung (DVO) ist ein verbindlicher Rechtsakt der Europäischen Kommission, der in allen Mitgliedstaaten unmittelbar gilt und konkrete technische oder administrative Regelungen zur Umsetzung und Anwendung von EU-Verordnungen oder EU-Richtlinien im Bereich des öffentlichen Vergaberechts trifft.

Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 · Rechtsstand: Art. 291 AEUV, Durchführungsverordnungen der Europäischen Kommission zum Vergaberecht


Was ist eine Durchführungsverordnung im Vergaberecht?

Im europäischen Vergaberecht spielen Durchführungsverordnungen der Europäischen Kommission eine zunehmend wichtige Rolle bei der Harmonisierung und technischen Konkretisierung der vergaberechtlichen Pflichten der Mitgliedstaaten. Anders als Richtlinien, die von den Mitgliedstaaten erst in nationales Recht umgesetzt werden müssen, gelten Verordnungen – einschließlich Durchführungsverordnungen – unmittelbar in allen Mitgliedstaaten ohne nationalen Umsetzungsakt.

Wichtige Durchführungsverordnungen im Vergaberecht

Mehrere Durchführungsverordnungen der Kommission prägen die Praxis des EU-Vergaberechts:

eForms-Durchführungsverordnung (EU) 2019/1780

Die Durchführungsverordnung (EU) 2019/1780 regelt die standardisierten elektronischen Formulare (eForms) für die Veröffentlichung von Auftragsbekanntmachungen im Supplement zum Amtsblatt der EU. Seit Oktober 2023 sind die eForms für alle EU-weiten Vergabeverfahren verpflichtend und ersetzen die bisherigen Standardformulare. Sie ermöglichen eine maschinenlesbare Erfassung aller Bekanntmachungsdaten und verbessern die statistische Auswertung des europäischen Vergabemarktes.

CPV-Verordnung (EG) 213/2008

Die Durchführungsverordnung (EG) 213/2008 legt die CPV-Codes (Common Procurement Vocabulary) fest, die zur einheitlichen Klassifizierung von Auftragsgegenständen in allen EU-Vergabebekanntmachungen verwendet werden müssen. CPV-Codes sind ein standardisiertes Klassifikationssystem, das die Auffindbarkeit von Ausschreibungen erleichtert und statistische Auswertungen ermöglicht.

Schwellenwert-Verordnungen

Die EU-Schwellenwerte werden alle zwei Jahre durch Durchführungsverordnungen der Kommission angepasst, um Wechselkursschwankungen und wirtschaftliche Entwicklungen zu berücksichtigen. Die aktuellen Schwellenwerte sind in der jeweils geltenden Durchführungsverordnung festgelegt.

Verhältnis zu Richtlinien und nationalem Recht

Durchführungsverordnungen ergänzen die Vergaberichtlinien auf technischer Ebene, ohne die grundlegenden Pflichten der Richtlinien zu ändern. Sie gehen nationalem Recht vor, soweit sie denselben Regelungsgegenstand betreffen.

FAQ

Muss ich als Auftraggeber Durchführungsverordnungen direkt anwenden? Ja. Durchführungsverordnungen gelten unmittelbar und bedürfen keiner nationalen Umsetzung. Sie sind von Auftraggebern direkt zu beachten.

Wo finde ich aktuelle Durchführungsverordnungen zum Vergaberecht? Im Amtsblatt der Europäischen Union und auf EUR-Lex (eur-lex.europa.eu). Die Europäische Kommission veröffentlicht auch auf ihren Webseiten Übersichten der geltenden Durchführungsverordnungen.

Gilt die eForms-Verordnung auch für nationale Vergabeverfahren? Nein. Die eForms-Pflicht gilt nur für EU-weite Verfahren oberhalb der Schwellenwerte. Für nationale Vergaben gelten nationale Bekanntmachungsvorschriften.


Zuletzt aktualisiert: Jänner 2026 Alle Angaben ohne Gewähr. Für rechtlich verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an eine auf Vergaberecht spezialisierte Kanzlei.

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